Was ist Dyspareunie? Bedeutungen, Ursachen und Behandlungsoptionen bei Schmerzen beim Sex

Grafisch stilisierte Vagina in blutrot mit gezackter Linie als symbol für schmerzen bei der penetration.

In diesem Ratgeber möchte ich die Begriffe „Vaginismus“ und „Dyspareunie“ ein wenig sortieren. Zahlreiche Anfragen unserer Kund*innen und meiner Klient*innen als Therapeutin haben deutlich gemacht, dass Informationen bezüglich der Unterscheidung von Vaginismus und Dyspareunie hilfreich wären. Beide Beschwerden verursachen eminente Schmerzen beim Sex mit Penetration oder machen Geschlechtsverkehr unmöglich, unterscheiden sich aber doch recht deutlich.

Die offiziellen medizinischen Diagnosen zum Thema Dyspareunie, Vaginismus oder anderen Formen von Schmerzen beim Sex sind sehr komplex. Da sie aber auch teilweise voneinander abweichen, sind sie für Laien schwierig zu begreifen, zumal auch die behandelnden Therapeut*innen die Übergänge von der einen zur anderen „Krankheit“ als fließend beschreiben. Beide Beschwerden werden zum Formenkreis der sogenannten sexuellen Funktionsstörungen gezählt, die Schmerzen beim Sex, insbesondere bei Penetration, verursachen. Deshalb wende ich mich hier primär an betroffene Frauen und deren eventuelle Partner*innen.

Dein Mehrwert in diesem Ratgeber:

Die folgenden Inhalte basieren nicht auf KI, sondern 
- auf Erfahrungen aus meiner therapeutischen Tätigkeit
- dem Austausch mit Betroffenen zu Problemen im Genitalbereich im therapeutischen Blog
- der Entwicklung therapeutischer Hilfsmittel.
Außerdem:

- Nach allen Informationen zu physischen und psychischen Behandlungsmethoden stelle ich effektive Hilfsmittel zur Selbstbehandlung vor.
- Du kannst dich in Ratgebern zu ähnlichen Themen weiter informieren (Liste am Ende dieses Textes).

Inhalt:

Was ist Dyspareunie

Der Begriff „Dyspareunie“ vereinigt in sich verschiedene Beschwerden im Bereich des weiblichen Genitalbereichs.

Die offizielle Definition nach ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) der WHO (Weltgesundheitsorganisation) unterscheidet zwei Formen: 

  • Organische Dyspareunie (Code N94.1)
  • Nichtorganische (psychogene) Dyspareunie (Code F52.6)

Beide Formen von Dyspareunie werden als chronisch betrachtet.

Eine weiterführende Erklärung liefert das DSM IV, das ist das Handbuch der amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft. Es beschreibt Dyspareunie als „Wiederkehrenden, genitalen Schmerz assoziiert mit Penetration (> 6 Monate)nicht assoziiert mit fehlender Lubrikation oder medizinischen Leiden“. 

Das bedeutet, dass frau seit mehr als einem halben Jahr Schmerzen beim Sex (Geschlechtsverkehr) hat, was nicht an fehlendem oder unzureichendem Feuchtwerden liegt. Verwirrend ist die Passage, dass es auch nicht mit medizinischem Leiden zu tun hat. Denn genau das ist der Fall bei der organischen Form.

A) Organische Dyspareunie

Unter organisch versteht man körperliche, also tatsächlich sichtbare physisch vorhandene Beschwerdeursachen.

Auch hier gibt es zwei Varianten: 

  • Tiefe organische Dyspareunie

Die bekanntesten und häufigsten Formen davon sind folgende: 

    • Atrophie (Verdünnung des Gewebes der Scheide und evtl. der Vulva)
    • Entzündung der Vagina, der Harnblase oder der Harnröhre
    • Endometriose (krankhafte Wucherung der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle im Bauchraum)
    • Retroflektierter Uterus (nach hinten geknickte Gebärmutter)
    • Tumore, Zysten
    • Narbengewebe
    • Hämorrhoiden
    • Colon irritabile (Reizdarm)
    • High tone pelvic floor dysfunction (Hypertonus = sehr hohe Spannung der Beckenbodenmuskulatur)
  • Oberflächliche organische Dyspareunie

Hier sind die bekanntesten:

    • Entzündungen der Vulva, Vagina, Harnröhre oder der bartholinischen Drüsen
    • Atrophie (s.o.)
    • Vulvodynie = Dypareunie der Vulva, die Ursachen können vielfältig sein
    • Vestibulitis-Vulvae-Syndrom = s. Vulvodynie, nur eher im Scheideneingang
    • Hymen Anomalie (Ungewöhnliche Struktur des Jungfernhäutchens, dessen Existenz sehr umstritten ist)
    • Hautkrankheiten wie der Lichen Formenkreis, Psoriasis (= Schuppenflechte), 
    • Vernarbungen
    • Bestrahlung
    • Penisübergröße

Es ist leicht, sich vorzustellen, dass all diese Beschwerden Geschlechtsverkehr behindern oder sogar verhindern, auf jeden Fall schmerzhaft sein lassen.
Die Behandlung zielt logischerweise zunächst einmal darauf ab, die körperlichen Symptome zu lindern, im besten Falle zu heilen. Es sollten jedoch auch bei der organischen Form der Dyspareunie mögliche begleitende psychische Ursachen in Betracht gezogen werden.

B) Nichtorganische Dyspareunie

Unter diesem Begriff werden zunächst einmal alle Betroffenen zusammengefasst, die ohne sichtbare Ursachen Schmerzen beim Sex haben, genauer gesagt: bei der Penetration, also beim klassischen Geschlechtsverkehr. Interessanterweise gibt es dieses Bild nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern. Die genaue Definition laut ICD 10 (Erklärung siehe oben) zeigt auch erste Unterschiede zu Vaginismus auf:

ICD-10 Code F52.6: Nichtorganische Dyspareunie
«Eine Dyspareunie (Schmerzen während des Sexualverkehrs) tritt sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Sie kann häufig einem lokalen krankhaften Geschehen zugeordnet werden und sollte dann unter der entsprechenden Störung klassifiziert werden. Diese Kategorie sollte nur dann verwendet werden, wenn keine andere primäre nichtorganische Sexualstörung vorliegt (z.B. Vaginismus oder mangelnde/fehlende vaginale Lubrikation).

Unterschiede zwischen Dyspareunie und Vaginismus

Ich konnte hoffentlich deutlich machen, dass die Problematik der Unterscheidung von Vaginismus und Dyspareunie lediglich die nicht-organische Form betrifft.
Bei beiden Funktionsstörungen ist die Muskulatur für die Beschwerden ursächlich, genauer gesagt die Beckenbodenmuskulatur: Beim Vaginismus krampft sie unwillkürlich, daher stammt der umgangssprachliche Begriff „Scheidenkrampf“.
Alle Infos zu Vaginismus / Scheidenkrampf findest du unter: https://theros.de/blogs/ratgeber/scheidenkrampf

Ursache für nicht-organische Dyspareunie ist oftmals ein muskulärer Hypertonus. Viele Jahre lang wurden Probleme des Beckenbodens eher mit Schwäche der Muskulatur in Verbindung gebracht. Mittlerweile ist aufgrund von Erfahrungen und Studien deutlich geworden, dass viele Probleme des Beckenbodens auf zu fester Muskulatur, zu viel Spannung und zu wenig Flexibilität beruhen. Gründe für das heutzutage häufige Auftreten dieses Phänomens lassen sich in dem großen gesellschaftlichen Druck und der damit verbundenen Hektik vermuten.  Die Hauptursache der nichtorganischen Dyspareunie ist also eine übermäßig gespannte, ja sogar verkrampfte Muskulatur: Trotz vorhandener Lubrikation (Scheidenfeuchtigkeit) ist ein Eindringen in die Vagina nicht oder nur sehr schwer möglich und verursacht Schmerzen beim Sex durch Penetration. Die erlebte Erfahrung des schmerzhaften Eindringens des Penis in die Vagina kann dann eine sich immer weiter steigernde Angst-Schmerz Spirale auslösen. Diese wiederum wirkt sich auf die Erregbarkeit der betroffenen Frau aus, die häufig immer schwächer wird und sogar ganz erlöschen kann.

Diagnose von Dyspareunie

Tatsächlich gibt es in der Praxis häufig Fälle von Schmerzen beim Sex, die sich nicht klar zuordnen lassen. Außerdem ist nicht jede*r Gynäkolog*in firm in der Thematik. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von gynäkologischen, eventuell auch dermatologischen und urologischen Fachärzt*innen, Sexolog*innen und Fachkundigen für Muskulatur ist sinnvoll, um eine möglichst konkrete Diagnose und eine erfolgreiche Therapie zu bewirken.
In Bezug auf die organische Dyspareunie ist der erste Schritt die Heilung der körperlichen Beschwerden. Ein wichtiger Aspekt ist auch, den betroffenen Frauen die Komplexität dieser Funktionsstörung zu erklären. Viele Patientinnen möchten die Ursache nur auf der körperlichen Ebene sehen. Sie sind zunächst einmal dafür zu gewinnen, auch die psychische Komponente anzunehmen.

Behandlung von Dyspareunie

 Um eine effiziente Behandlung überhaupt beginnen zu können, ist es häufig sinnvoll, für einen bestimmten Zeitraum auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, um die Schmerzen bei der Penetration nicht mehr zu erleben und sie so weit wie möglich zu vergessen. Zum einen, um den körperlichen Symptomen die Möglichkeit zu geben, ohne weitere Beanspruchung zu heilen, zum anderen, um an der Auflösung der Schmerz-Angst-Spirale zu arbeiten.

Im Folgenden dazu ein zusammengefasster Ausschnitt aus einem wissenschaftliches Text  von Dr. Karoline Bischof, Gynäkologin und Sexologin, Zürich:
Frauen mit chronischer Dyspareunie scheinen eine Tendenz zu haben, Schmerzen anders zu verarbeiten als Nichtbetroffene: Schmerzen werden als besonders schlimm erlebt. Es bestehen Ängste und Überwachheit oder Hypersensibilität gegenüber Schmerzen (vergleichbar mit Fibromyalgie-Patientinnen u.v.a.m.). So kann man grob sagen, dass sie eine Tendenz zum Überbewerten von schmerzbedingten Symptomen und insbesondere Hilflosigkeitsgefühle haben. 
Ein wichtiges Element der Therapie ist die De- und Resensibilisierung. Das heißt also, die Frau lernt, die schmerzhaften Regionen ihres Geschlechts einzugrenzen und durch regelmäßige sanfte Berührungen mit Pflegemitteln dort andere Sinnesempfindungen auszulösen als Schmerzen – zunächst neutrale, dann zunehmend angenehme Empfindungen, mit der Zeit auch sexuelle Erregung. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist der Einsatz von Bewegung und Entspannung im Beckenboden, mit der Zeit auch Bauchatmung, Beckenkreisen und Beckenschaukel, da die hohe Muskelspannung ein so wesentliches Element der Schmerzgenese ist.

Außerdem ist eine Beschäftigung mit der sexuellen Biografie und Identität wichtig: Wie habe ich mein „weiblich sein“ erfahren und wie fühle ich mich damit, mit welchen Werten ist es verbunden, nehme ich mein Geschlecht an? Genieße ich es, mich zu berühren, anzuschauen, zu riechen?

Ein weiterer wichtiger Punkt zur Behandlung der Dyspareunie ist die Wahrnehmung des Beckens und vor allem des Zustandes der Muskelspannungzu erlernen.

Geeignete Hilfsmittel 

Konische Dilatoren

Für die Behandlung der Symptome auf der körperlichen Ebene sind Dilatoren die beste Option, am besten ein Diltoren Set. Es gibt erhebliche Unterschiede in Bezug auf folgende Eigenschaften von Dilatoren:

  • Die Anzahl der verfügbaren Größen, denn daraus ergeben sich die Größenabstufungen: Besonders bei den kleineren Größen gibt es Sprünge von bs zu 33%, das ist viel zu viel.
  • Die maximale Größe: Sollte dein Zeil sein, beim Sex Penetration zu haben, ist eine Endgröße von 30 bis 35 eher zu wenig, erst recht bei leidensachaftlichen Bewegungen
  • Das Material: Das bevorzugte Material ist Silikon- dabei gibt es deutlich besseres, haupsächlich in Bezug auf Gleitfähigkeit und Hygiene, aber auch was Haptik und Nachhaltigkeit anbelangt
  • Die Form: Dilatoren sind normalerweise konisch, werden also zum Ende hin immer dicker. Dadurch entsteht eine Stauchung des Gewebes, das heisst: je tiefer du den Dilator einführst, um so mehr Widerstand musst du überwinden. Außerdem wirken konische Dilatoren nur in eine Richtung: nach innen. Auch das muss nicht so sein.

Theros® FMS-Dilatoren sind anders:

  • Du kannst aus bis zu 27 fein abstimmbaren Größen dein eigenes Set zusammenstellen, ja sogar Größen tauschen
  • Sie bestehen aus mundgelasenem Borsilikatglas: Extrem gleitfähig, dauerhaft top hygienisch (sogar sterilisierbar) und äußerst nachhaltig
  • Auch die kleinsten Dilatoren sind genauso lang wie die großen, weil sie formstabil sind im Gegensatz zu Silikon
  • FMS-Dilatoren wirken in beide Richtungen und erzeugen beim Hin- und Herbewegen eine sanfte Massage.
Gesamtansicht eines Sortiments von 20 FMS-Dilatoren aus Borsilikat Glas mit elliptischer Spitze und schlankem Schaft in den Größen 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 22, 24, 26, 28, 30, 32, 34, 36, 38, 40, 42, 44 und 46 mm für die Zusammenstellung von individuellen Dilatoren Sets zur Reponierung und Nachbehandlung von Hämorrhoiden.

Und mit Theros® Vaginalstents kannst du die Behandlungserfolge von FMS-Dilatoren nachhaltiger machen, indem du sie nach der Anwendung von Dilatoren einführst und im Alltag trägst:

Bildkollage aus 12 Theros Vagina Stents aus Borsilikatgas mit und ohne Segment in Größen von 20 bis 40 mm bei Dyspareunie, Vaginismus, zur Nachsorge nach GAOP / für die Neovagina.

Auch das Erlernen neuer fließender, weicher Bewegungen gehört dazu, den Beckenboden und die Muskulatur der Vagina zu lockern. Dies sollte im Rahmen einer umfassenden Therapie erfolgen.

Für den Geist und die Psyche rate ich dir zu Entspannungsübungen in Form von Meditation, Atemübungen und Fantasiereisen. 

 

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Hera Schulte Westenberg
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